卷阿
Anonymous (Shijing)
有卷者阿,飄風自南。
豈弟君子,來游來歌,以矢其音。
伴奐爾游矣,優游爾休矣。
豈弟君子,俾爾彌爾性,似先公酋矣。
爾土宇昄章,亦孔之厚矣。
豈弟君子,俾爾彌爾性,百神爾主矣。
爾受命長矣,茀祿爾康矣。
豈弟君子,俾爾彌爾性,純嘏爾常矣。
有馮有翼,有孝有德,以引以翼。
豈弟君子,四方為則。
顒顒卬卬,如圭如璋,令聞令望。
豈弟君子,四方為綱。
鳳皇于飛,翽翽其羽,亦集爰止。
藹藹王多吉士,維君子使,媚于天子。
鳳皇于飛,翽翽其羽,亦傅于天。
藹藹王多吉人,維君子命,媚于庶人。
鳳皇鳴矣,于彼高岡。
梧桐生矣,于彼朝陽。
菶菶萋萋,雝雝喈喈。
君子之車,既庶且多。
君子之馬,既閑且馳。
矢詩不多,維以遂歌。
Der Fönix des Reiches Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 212f.
Es singt der Vögel Fürst Hoang-Fong
Hell tönend auf dem Baum U-Tong,
Drauf wächst des Baumes Krone,
Froh nach des Vogels Singen.
Der Kaiser über Berg und Thal
Spreitzt aus der Herrschaft Schwingen,
Vereint des Reichs Genossen allzumal.
Es singt der Vögel Fürst Hoang-Fong
Hell tönend auf dem Baum U-Tong,
Da sprießen auf des Baumes Blüthen,
Als wie durch seinen Ton belebet.
Der Kaiser seine Flügel hebet,
Und sieh, um seinen Thron sogleich
Versammelt sich so Arm als Reich.
Es singt der Vögel Fürst Hoang-Fong
Hell tönend auf dem Baum des Reiches,
Und blüht in Pracht bei seinem Singen!
Es rauscht des Königs Ruhmessittig,
Die Fürsten stehn um ihn und schwingen,
Doch ehrerbiethig, Lanz' und Speer.
Es singt der Vögel Fürst Hoang-Fong
Hell tönend auf dem Baum U-Tong,
Es reicht der Baum bis an den Himmel,
Ihn zieht empor des Vogels Singen.
Der König schüttelt seine Schwingen,
Die Raben trifft des Thaues Segen,
Die schnell ihn zu den Fernen bringen.
Der Friedensfürst Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 211.
Am Mittag geht der Fürst
Am Flusse gern vorüber,
Und singt still vor sich hin
Mit gar zufried'nem Sinn.
Er ist ein Friedensfürst,
O geh' er stets im Frieden!
Lang sei die Lebenszeit
Und voll Zufriedenheit!
O, sieh, es blüht dein Reich
Gleich einem schönen Garten,
Und immer Land an Land
Umschließt des Reiches Band.
Als Oberherrn erkennt
Dich jeder an mit Freuden;
O, zieh' nie von uns fern
Dein schöner Friedensstern!
Der Fürst als Fürstenspiegel Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 211f.
Wenn nach des Himmels Bild ein Fürst sich richtet,
Befördert alles Gute er im Reich;
Es schaut der Himmel segnend auf ihn nieder,
Und dankend blickt zum Himmel er hinauf.
So ehrt den Himmel er, der ihn geehrt,
So traut er ihm, der ihn beschützet hat,
Und Beide lieben sich in edler Treue.
Der Himmel zeigt ihm sein blüh'ndes Reich,
Wenn wachend er umherschaut; wenn er träumt,
Dann zeigt er ihm die reiche Enkelschaar,
Ihm gleich; auf Thronen ein'ge sitzen, andre
Als Feldherrn glänzen auf dem Schlachtgefild,
Sie stehen fest und schreiten kühn mit Ehren.
Er ehret die die selber ihn geehrt,
Er kennt die seine und der Andren Pflicht,
Da er sie übt, heischt er sie üben auch.
Ein edler, hoher Sinn erfüllt sein Herz,
Er kennt nicht Unedel-Kleinliches,
Drum liebt man ihn, sein Wort gilt als Gesetz.
Des Landes Glück verlangt sein eignes Glück,
Er ist der Blick im Volkesaug', die Hohen
Sind unterthan wie er selbst dem Geschick;
Wie er dem Himmel dienet sollen ihm
Die Diener dienen, er ist sich bewußt
Daß Alles ruht auf ihm; so wird bebaut
Mit Lust der Acker, den er überschaut.
Der Friedensfürst Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 297.
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 258.
Auf des Stroms gewundnem Damme,
Wo die Mittagslüfte wehn,
Geht der Fürst von unserm Stamme,
Leise singend unterm Gehn.
Friedensfürst! In stetem Frieden
Geh, in hohem Freudenspiel!
Lange Bahn sei dir beschieden
Und Befriedigung am Ziel.
Um dir sieh den weiten Garten
Deines Reichs im Blütenstand
Und in deine Ländercharten
Eingetragen Land um Land!
Anerkennen alle Geister
Dich als ihren Oberherrn;
Und nie geh, so friedlich kreist er,
Unter nie des Reiches Stern!
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 258.
Der Fürst wie er seyn soll Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 297-299.
Der Fürst, gebildet nach des Himmels Bilde,
Bezeigt auf Erden seine Kraft
Und seine Tugend, die im Reichsgefilde
Gibt allem Guten Nahrungssaft.
Der Himmel blickt auf ihn hernieder,
Und segnet ihn und mehret ihn,
Und er zum Himmel blickt er dankbar wieder,
Ihn ehrend, der geehret ihn,
Ihm trauend, der bewahret ihn;
Es lieben sich die beiden treu und bieder.
Der Himmel zeiget seinem Aug' im Machen
Ein weites blütenfrohes Reich,
Dem träumenden als klargeaugte Drachen
Ein Enkelvolk, ihm selber gleich,
Wovon auf Thronen ein'ge sitzen,
Geschickt der Völker leiten sie,
Im Waffenfeld als Feldherrn andre blitzen,
Zum Ruhm des Reiches streiten sie,
Nicht straucheln sie noch gleiten sie,
Hoch wandelnd auf der Ehre Bergesspitzen.
Er ist ein Mann, und weiß zu ehren Männer,
Die ihn zu ehren sind bedacht;
Er, seiner Pflicht und andrer Pflichten Kenner,
Der recht sie übt und üben macht.
Sein Busen schwillt von großen Trieben,
Nicht Mißgunst Mißtraun heget er;
Er liebt, und weiß daß sie ihn wieder lieben.
Ein Blick – die Herzen reget er,
Ein Wink – das Reich beweget er,
Und was er spricht, ist als Gesetz geschrieben.
Des Landes Glück ist seines Glücks bedürftig,
Im Aug' des Volks ist er der Blick.
Des Reiches Hohe sind ihm unterwürfig,
Wie er dem höchsten Weltgeschick.
Wie er dem Himmel dienet, trauet
Er ihrer Dienstverlässigkeit,
Fühlt sich als Grund, worauf sie sind gebauet,
Und nirgends wächst Fährlässigkeit
Und Zwiespalt und Gehässigkeit
Im großen Acker, den er überschauet.
Des Reiches Fönix Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 299f.
— in: Menzel, Wolfgang (ed.). Die Gesänge der Völker. Leipzig: Verlag von Gustav Mayer, 1851.
Der Vögel Fürst Hoang-Fong
Singt auf dem Baum U-Tong,
Davon des Baumes Kronen sprossen.
Der Kaiser breitet aus die Flügel
Der Herrschaft über Thal und Hügel,
Und sammelt alle Reichsgenossen.
Der Vögel Fürst Hoang-Fong
Singt auf dem Baum U-Tong,
Aufgeht des Baumes Blütenkrone.
Der Kaiser hebet seine Schwinge,
Und hohe kommen und Geringe,
Und schaaren sich an seinem Throne.
Der Vögel Fürst Hoang-Fong
Singt auf dem Baum U-Tong,
Der Baum des Reiches steht im Glanze.
Wie rauscht des Kaisers Ruhmessittig!
Die Fürsten alle stehen sittig,
Und schwingen um ihn Speer und Lanze.
Der Vögel Fürst Hoang-Fong
Singt auf dem Baum U-Tong,
Des Baumes Wipfel rührt die Sterne.
Der Kaiser schüttelt sein Gefieder,
Und Thau fällt auf die Nahen nieder,
Die frisch ihn tragen in die Ferne.
Der Vögel Fürst Hoang-Fong
Singt auf dem Baum U-Tong,
Der Baum beschattet weit die Erde.
Der Kaiser fliegt mit starkem Kiele,
Sein rascher Wagen eilt zum Ziele,
Und ihm gehorchen seine Pferde.
Der Vögel Fürst Hoang-Fong
Singt auf dem Baum U-Tong.
Ich preise dich mit schwachem Kiele;
Nur wenig Züge schrieb die Feder,
Doch von den Zügen hier ist jeder
Gerecht zu Sang und Saitenspiele.
— in: Menzel, Wolfgang (ed.). Die Gesänge der Völker. Leipzig: Verlag von Gustav Mayer, 1851.
Fürst Schao's Gesang an den König Tschhing Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 424-426.
Am eingebog'nen Bergeshang
Kam frischer Süd geweht in Menge.
Der freundlich mildgesinnte Fürst
Luftwandelte dabei und sang;
Und dazu bracht' ich diese Klänge:
Luftwandle du mit fröhlichem Behagen,
Zufrieden wandle hin bei Ruhetagen,
O freundlich mildgesinnter Fürst!
Und mögst du so vollenden deinen Lauf,
Wie ihn die Fürsten vor dir ausgetragen.
Dein Länderkreis ist groß und hochberühmt,
Gar viel des Guten wird dir zugeführet,
O freundlich mildgesinnter Fürst!
Und mögst du so vollenden deinen Lauf,
Wie dir's als aller Geister Wirth gebühret.
Das Amt empfingst du, lange vorbeschieden,
Das Glück, die Segnung wurde dir in Frieden,
O freundlich mildgesinnter Fürst!
Und mögst du so vollenden deinen Lauf,
Daß reines Glück dir immer sei hienieden.
Du hast die Helfer, hast die Stützen,
Die treu und tugendsam dich schützen,
Um dich zu leiten, dich zu stützen;
O freundlich mildgesinnter Fürst,
Du sollst dem Reich zum Muster nützen.
Mit Ehrenvollen, Würdereichen,
Mit Scepter, mit Halbscepter-Gleichen,
Mit Hochberühmten, Hoffnungsreichen, –
O freundlich mildgesinnter Fürst,
Bist du des Reiches Führungszeichen.
Das Phönixpaar hat sich erschwungen,
Sein Flügelrauschen ist erklungen,
Es fliegt herab nach seinem Ziel.
Der königlichen wackern Diener sind gar viel,
Dem hohen Herrn bestellt am Thron,
Die liebend schau'n zum Himmelssohn.
Das Phönixpaar hat sich erschwungen,
Sein Flügelrauschen ist erklungen,
Es steigt hinauf zu Himmelshöh'n.
Viel sind der königlichen wackern Leut' erseh'n,
Dem hohen Herrn zu Dienst zu steh'n,
Die liebevoll auf Alle seh'n.
Es tönt des Phönixpaar's Gesang
Vom Gipfel hoch in's Weite her;
Die Herzblatt-Albe wächst entlang
An Berges Morgenseite her –
In grüner Fülle prächtiglich –
In Harmonie'n einträchtiglich.
Des hohen Herren Wagen sind
Gar viele und gar mancherlei;
Der hohen Herren Rosse sind
Gar wolgeübt und schnell dabei. –
Ich fügt', an Lied nur wenig bei,
Daß dein Gesang erweitert sei. –