You fen shi 幽憤詩
by Ji Kang 嵇康 (223–262)
Dynasty: Cao Wei 曹魏 (220–265)
Included in: Lu Qinli 逯欽立 (ed.). Xian Qin Han Wei Jin Nanbeichao shi 先秦漢魏晉南北朝詩 Beijing: Zhonghua shuju, 1983. Weishi 魏詩 9.480.
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Paul Demiéville (1894–1979): Tristesse à l'ombre
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in: Demiéville, Paul. Diény, Jean-Pierre (ed.). Poèmes chinois d'avant la mort. Paris: L'Asiathèque, 1984. p. 116.
Demiéville translates only the last four of the 86 verses of this poem. -
Erwin von Zach (1872–1942): Mein geheimer Kummer
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Ach, ich hab nur wenig Glück; schon in meiner frühesten Jugend wurde ich vom Unglück verfolgt. Als ich noch nichts begriff, (verlor ich den Vater und) wurde eine beklagenswerte Waise; damals lag ich noch in den Windeln. Mutter und älterer Bruder erzogen mich, mit Barmherzigkeit und ohne Strenge. Im Vertrauen auf diese Liebe wurde ich ein verwöhntes Kind; ich hörte nicht auf die Weisungen der Mutter und folgte nicht dem Unterricht meines Bruders. Als ich zwanzig Jahre alt war, stützte ich mich auf ihre Gunst und liess mich gehen (tat was mir gefiel). Ich bekam Interesse am Altertum (mehr als an der Jetztzeit) und widmete mich mit allem Eifer diesem Studium. Meine Liebe gehörte der Philosophie des Lao[-tzu] und Chuang[-tzu]; ich verachtete die Aussenwelt und trachtete gesund zu bleiben (gab mich keinen Vergnügungen hin). Mein Ziel war, meine ursprüngliche Einfachheit zu erhalten, meine Unbefangenheit zu bewahren und mein wahres Wesen zu vervollkommnen. Leider war ich unklug (Legge I 250); ich suchte das Gute, war aber unglücklich in der Wahl der Menschen. Nach dem Unglück, das Lü An getroffen hatte (Legge V 200/4), wurde ich wiederholt (durch Chung Hui) beim Kaiser verläumdet (Legge IV 363). Der (frühere) Kaiser (der Wei-Dynastie, Ts'ao Mao; BD No. 2005) hatte liberale Auffassungen, deckte die Fehler anderer und duldete die Schmach (der Bevormundung durch Ssu-ma Chao; BD No. 1746). Das Volk hatte viele Fehler, daher konnte der Kaiser (in seiner Güte) nicht selbst die Regierung führen (sondern überliess sie seinem Minister Ssu-ma Chao). In meiner Engherzigkeit war ich damit nicht einverstanden (Legge IV 164) und äusserte, was ich gut oder schlecht fand. Ich begreife nun, dass diese Kritik unangebracht war; wenn ich jetzt daran denke, schmerzt mich die Sache wie eine Wunde. Ich war wohl willens mich zu bessern, aber schon erhoben sich Verläumdungen wie kochendes Wasser. Mein Charakter will (durch Kritik) anderen sicher nicht schaden; leider habe ich dadurch immer nur Ärger und Hass geerntet. Ich muss mich vor dem freundlichen Liu[-hsia] Hui früherer Zeiten mit dem sanften Sun Teng der Gegenwart schämen (denn diese Beiden enthielten sich stets jeder Kritik). (Durch diese unbedachte Kritik) bin ich im Innersten meines Herzens meiner ursprünglichen Absicht (mich von der Welt zurückzuziehen) untreu geworden; nach aussen hin schäme ich mich auch vor meinen guten Freunden (die immer mir den Rat gaben, nicht zu kritisieren). Ich verehre die Eremiten Yen [Chün-p'ing] und Cheng [Tzu-chen], weil sie sich in Musse dem Studium der Ethik widmeten. Sie mischten sich nicht in die Angelegenheiten dieser Welt; ihr wunderbares Gemüt befand sich daher stets in harmonischer Ruhe. Ach, diese Tugend besass ich nicht; daher hatte ich mit vielen Sorgen zu kämpfen. Diese wurden mir nicht durch den Himmel zuteil, sondern durch meinen eigenen Starrsinn und Weltfremde. So musste mich alles mögliche Unheil überkommen, bis ich schliesslich ins Gefängnis geworfen wurde. Als ich vor dem Untersuchungsrichter dessen grobe Fragen beantworten sollte, (gestand ich meine Fehler ein und) wurde weiter festgehalten. Tatsächlich schämte ich mich, etwas zu meiner Verteidigung vorzubringen; denn es war schon zu spät (ich war schon entehrt). Obwohl ich mir selbst sagte, dass meine Sache gerecht sei, war mein Geist schon befleckt und mein Ehrgeiz verletzt. Selbst wenn ich mich in reinem Wasser gebadet hätte, wäre dies doch von keinem Nutzen gewesen (um meine Ehre reinzuwaschen). Harmonisch schreit die Wildgans; sie setzt ihre Schwingen in Bewegung und fliegt gegen Norden. Ihr Wandern ist durch die Jahreszeit bedingt; sie fühlt sich zufrieden und vergisst allen Kummer (der Trennung). Ach wie sehr beklage ich es, dass ich niemals darin ihr ähnlich sein kann. Meine Sache ist den Wünschen zuwidergelaufen, und ich bin jetzt hier im Gefängnis festgehalten. Erfolg oder Misserfolg sind eben Schicksal; wie könnte man auch versuchen wollen, es zu ändern! Die Alten (Chuang-tzu; Texts of Taoism I 198) hatten einen Satz: jene, die Gutes tun wollen, dürfen nicht nach Ruhm streben, (weil sie dadurch Eifersucht der Anderen erregen). Wenn wir mit dem Strom schwimmen, [den Leuten] mit Ehrerbietung begegnen und schweigen, dann werden wir nicht getadelt werden und auch keine Reue empfinden. So war [Shih Chien,] Wan-tan[-chün's Sohn,] in allem äusserst vorsichtig; dadurch wusste er seinem Vater ein ruhiges Leben zu verschaffen und seine eigene Stellung zu sichern. Die Angelegenheiten dieser Welt sind gar mannigfach und verwirren dadurch nur mein Gemüt. Auch wenn wir uns wohl und heiter fühlen, müssen wir stets auf unserer Hut sein; dann erst können wir schliesslich dauernden Erfolg erzielen. Glänzend sind die Wunderpilze und jedes Jahr blühen sie dreimal. Was kann ich (im Vergleiche zu ihnen) zu meinen Gunsten anführen? Keiner meiner Wünsche ist bisher in Erfüllung gegangen. Infolge des Unglücks, in das ich geraten bin, möchte ich mich ändern; mein Herz ist von tiefer Reue erfüllt. Vielleicht versuche ich in Zukunft keine Kritik mehr auszuüben, sodass ich weder gelobt noch getadelt werde. Ich möchte auf Bergabhängen Farnkräuter pflücken; ich möchte in Berghöhlen hausen und mein Haar frei hängen lassen. Dort will ich dann unaufhörlich pfeifen und langgezogene Lieder singen, meine Natur erfreuen und mein Leben verlängern.–
in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 361-364.
嗟余薄祜。少遭不造。 哀煢靡識。越在繈緥。 母兄鞠育。有慈無威。 恃愛肆妲。不訓不師。 爰及冠帶。憑寵自放。 抗心希古。任其所尚。 託好老莊。賤物貴身。 志在守樸。養素全真。 曰余不敏。好善闇人。 子玉之敗。屢增惟塵。 大人含弘。藏垢懷恥。 民之多僻。政不由己。 惟此褊心。顯明臧否。 感悟思愆。怛若創痏。 欲寡其過。謗議沸騰。 性不傷物。頻致怨憎。 昔慙柳惠。今愧孫登。 內負宿心。外恧良朋。 仰慕嚴鄭。樂道閒居。 與世無營。神氣晏如。 咨予不淑。嬰累多虞。 匪降自天。寔由頑疎。 理弊患結。卒致囹圄。 對答鄙訊。縶此幽阻。 實恥訟冤。時不我與。 雖曰義直。神辱志沮。 澡身滄浪。豈云能補。 嗈嗈鳴鴈。奮翼北遊。 順時而動。得意忘憂。 嗟我憤歎。曾莫能儔。 事與願違。遘茲淹留。 窮達有命。亦又何求。 古人有言。善莫近名。 奉時恭默。咎悔不生。 萬石周慎。安親保榮。 世務紛紜。祗攪予情。 安樂必誡。乃終利貞。 煌煌靈芝。一年三秀。 予獨何為。有志不就。 懲難思復。心焉內疚。 庶勗將來。無馨無臭。 采薇山阿。散髮巖岫。 永嘯長吟。頤性養壽。