扶風歌 "朝發廣莫門"
Liu Kun 劉琨 (270–317)
朝發廣莫門。暮宿丹水山。
左手彎繁弱。右手揮龍淵。
顧瞻望宮闕。俯仰御飛軒。
據鞍長歎息。淚下如流泉。
繫馬長松下。廢鞍高岳頭。
烈烈悲風起。泠泠澗水流。
揮手長相謝。哽咽不能言。
浮雲為我結。歸鳥為我旋。
去家日已遠。安知存與亡。
慷慨窮林中。抱膝獨摧藏。
麋鹿遊我前。猨猴戲我側。
資糧既乏盡。薇蕨安可食。
攬轡命徒侶。吟嘯絕巖中。
君子道微矣。夫子故有窮。
惟昔李騫期。寄在匈奴庭。
忠信反獲罪。漢武不見明。
我欲竟此曲。此曲悲且長。
棄置勿重陳。重陳令心傷。
Das Lied von Fu-feng Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 511f.
Morgens breche ich vom Kuang-mo-Thore (von Loyang) auf; die Nacht verbringe ich auf dem Berge, wo der Tan-Fluss [entspringt].
Mit der Linken halte ich den gespannten Bogen; mit der Rechten schwinge ich das mächtige Schwert.
Ich blicke zurück und schaue nach dem Kaiserpalast; dann treibe ich sofort wieder meinen fliegenden Wagen weiter.
In meinem Sattel sitzend seufze ich lange; Tränen stürzen in Strömen herab.
Ich binde mein Pferd unter einer hohen Fichte an; auf der Spitze des hohen Berges angelangt sattle ich es ab.
Ein traurig brausender Wind erhebt sich; laut rauscht das Wasser durch die Schlucht.
Ich winke mit der Hand [nach Loyang hinüber], von dem ich mich für immer trenne; vor Schluchzen kann ich nicht sprechen.
Treibende Wolken sammeln sich meinetwegen; fliegende Vögel halten ein in ihrem Fluge und kreisen über mir voll Sympathie.
Mit jedem Tage entferne ich mich weiter von der Heimat; wie kann ich vorher wissen, ob ich am Leben bleiben (und die Heimat wiedersehen) oder (in der Fremde) sterben werde?
Voll Trauer bleibe ich im öden Wald verweilen; zusammengekauert überlasse ich mich meinem Jammer.
Hirsche und Rehe wandern vor mir; Affen und Gibbons spielen neben mir.
Mein Mundvorrat ist schon lange erschöpft; wie kann ich mich nur von Farnkräutern nähren?
Ich ergreife die Zügel des Pferdes und rufe nach Genossen; auf hoher Bergzinne suche ich sie durch Pfeifen zu erreichen.
Die Lehre des Edlen ist schon im Verfall; daher ist einst auch Konfuzius (im Lande Ch'en) ins Elend geraten.
Ich erinnere mich auch an (den berühmten General) Li (Ling; BD No. 1171), der nicht zur festgesetzten Zeit [nach China zurückkehren] konnte; er verblieb daher am Hof des Hunnenkhans.
Trotz all' seiner Treue und Loyalität wurde er (d.h. seine Familie) noch bestraft; (selbst ein weiser Fürst wie Kaiser) Han Wu[-ti] erkannte nicht seine Tüchtigkeit.
Ich will dieses Lied zum Abschluss bringen; denn es ist traurig und lange.
Ich höre daher zu singen auf und setze die Verse nicht weiter fort; denn je weiter ich sie fortsetze, desto trauriger werde ich.