沔水
Anonymous (Shijing)
沔彼流水 ,朝宗于海。 鴥彼飛隼,載飛載止。 嗟我兄弟,邦人諸友。 莫肯念亂,誰無父母。 沔彼流水,其流湯湯。 鴥彼飛隼,載飛載揚。 念彼不蹟,載起載行。 心之憂矣,不可弭忘。 鴥彼飛隼,率彼中陵。 民之訛言,寧莫之懲。 我友敬矣,讒言其興。
Zwei Huldigungszeiten Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 135.
Die Ströme gießen sich ins Meer, Erweisen so ihm Preis und Ehr'; So sammelt sich der Fürsten Schaar, Und stellt sich vor dem Kaiser dar, Wenn sich der Frühling spüren läßt, Tschau wird genannt dies erste Fest; Das zweite, wenn der Herbst beginnt, Heißt Tsong, wo stärker schon der Thau entrinnt.
An die Sorglosen Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 195f.
Alswie zum Kaiserhof der hochgemuthen Reichsfürsten Heer, So wälzen Ströme rauschend ihre Fluten In's offne Meer. Wie sind die Fluten hoch geschwollen, Die nichts als Noth und Trübsal rollen! Ihr aber seht es eben Alsob ein Spiel es wär. Es müssen euch wol keine Eltern leben, Sonst würdet ihr für sie doch beben; Mein Herz wird nie von Beben leer. Alswie die Fürsten laut zum Kaisermahle Sich drängen bei, Ein Vogelheer dringt über Berg und Thale Mit Feldgeschrei. Ihr Feldgeschrei ist nichts als Rauben; O weh dem Frieden armer Tauben! Doch ihr seht's unbefangen, Alsob ein Scherz es sei. Es müssen Weib und Kind an euch nicht hangen, Sonst würdet ihr für sie wol bangen; Mein Herz wird nie von Bangen frei.
Jährliche Huldigungen Friedrich Rückert (1788–1866)
Mit allen Wassern gießen sich ins Meer Die Ströme, daß sie Ehrfurcht ihm bezeigen; So strömt zusammen rings der Fürsten Heer, Sich vor des Kaisers Angesicht zu neigen, Einmal im ersten Lenze, Das Fest genannt ist Tschau, Dann an des Herbstes Grenze, Zum Feste Tsong, wenn stärker fällt der Thau.
Klage über die Theilnahmlosen in den Wirren der bösen Zeit Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 293.
Die Hochgeschwoll'nen Stromgewässer, Sie zieh'n zum Hofempfang in's Meer. Der Sperber, allerschnellsten Fluges, Bald schwebt er hin, bald rastet er. Ach, unter allen meinen Brüdern, Landsleuten, Freunden allumher Läßt Keiner sich die Wirren kümmern! Wer hat denn nicht die Eltern mehr? Die hochgeschwoll'nen Stromgewässer, Sie wogen immer höher an. Der Sperber, allerschnellsten Fluges, Bald schwebt er, schwingt sich bald hinan. Gedenk' ich jener Ausgeschritt'nen, Auf fahr' ich dann, fortschreit' ich dann. Ach daß ich meines Herzens Kummer Nicht abthun und vergessen kann! Der Sperber, allerschnellsten Fluges, Schwebt mitten um die Höh'n darein. Beim nichtigen Geschwätz des Volkes, Weswegen tritt da Niemand ein? Wenn meine Freunde Sorge trügen, Würd' auch noch dann Verläumdung sein?