蓼莪
Anonymous (Shijing)
蓼蓼者莪 ,匪莪伊蒿。 哀哀父母,生我劬勞。 蓼蓼者莪,匪莪伊蔚。 哀哀父母,生我勞瘁。 缾之罄矣,維罍之恥。 鮮民之生,不如死之。 久矣無父何怙,無母何恃。 出則銜恤,入則靡至。 父兮生我,母兮鞠我。 拊我畜我,長我育我。 顧我復我,出入腹我。 欲報之德,昊天罔極。 南山烈烈,飄風發發。 民莫不穀,我獨何害。 南山律律,飄風弗弗。 民莫不穀,我獨不卒。
Des undankbaren Sohnes Klage Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 159f.
Was zeugte mich mein Vater? Was säugte mich die Mutter? Was trieb sie doch, Mich zu erziehn? Nun Alter, Roth und Gram sie drückt, Hat Dank die Pflege nicht beglückt. Was herzte mich der Vater, Was scherzte froh die Mutter, Bei Tag und Nacht Gesorgt, gewacht! Sie fühlen jetzt nicht meinen Schmerz, Daß nicht mein Dank erfreut ihr Herz. Die mich gewiegt im Schooße, Gehalten an den Brüsten, Beim ersten Gang Geleitet bang, Die Mutter, nun von Alter schwach und matt, Vergebens meine Pfleg' erwartet hat. Der mich geführt mit Blicken, Mit Lehren mich gestärket, Den Geist beglückt, Den Leib geschmück, Der Vater neigt sich alterschwach zum Grab, Ich leid' mit ihm und bin doch nicht sein Stab. Was zeugte mich mein Vater, Was säugte mich die Mutter? Warum ihr Schmerz Durchgebohrt mein Herz? Der Himmel selbst, der sie erfüllt mit Gram, Zu helfen mir die Möglichkeit benahm!
Unmuth in Armuth Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 159.
Ist in der Flasche kein Labetrank Was nutzt mir das leere Glas? Da soll' ich noch leben? Schönen Dank! Ist sterben da nicht das Beste? Was?!
Unterschied Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 160f.
Der Berg Nan Schan sich hoch erhebt, Drauf heft'ge Winde wehen. Lust jeder Mutter Kind erlebt, Warum muß mir's so übel gehen? Nan Schan der Berg erhebt sich steil. Drauf frei die Lüfte ziehen. Luft, seh' ich, ist der Andern Theil, Warum denn mir nur Leid und Mühen?
Armuth Friedrich Rückert (1788–1866)
Ist in der Flasche kein Trank zum Laben, Was helfen die leeren Scherben? Für Arme, die nichts zu leben haben, Ist es besser, zu sterben.
Klage des undankbaren Sohnes Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 227f.
Was hat mein Vater mich gezeugt, Was hat die Mutter mich gesäugt? Was hat ihr Herz bewogen Mich liebend auferzogen? Von Alter, Roth und Gram gebeugt, Sind sie um ihrer Pflege Lohn betrogen. Wie hat mein Vater mich geherzt, Die Mutter sanft mit mir gescherzt, In Nächten und an Tagen Gestillet meine Klagen! Sie fühlen selbst nicht, wie mich's schmerzt, Daß ihnen ich den Dank nicht ab kann tragen. Die mich auf ihrem Schooß gewiegt, Die mich an ihre Brust geschmiegt, Die mich geleitet bange Auf meinem ersten Gange, Die Mutter altersmatt erliegt, Auf ihren Pfleger wartet sie zu lange. Der mich mit seinem Blick gelenkt, Mit seinen Lehren mich getränkt, Gebildet und geweidet, Geschirmet und gekleidet, Der Vater geht zum Grab gesenkt, Ich stütz' ihn nicht, und leide wie er leidet. Was hat der Vater mich gezeigt, Was hat die Mutter mich gesäugt? Mußt' ich aus ihren Wehen Hervor zum Wehe gehen? Der Himmel selber, der sie beugt, Verwehrt mir grausam, ihnen beizustehen.
Vergleichung mit andern Friedrich Rückert (1788–1866)
Nan Schan der Berg ist frey und hoch, Es gehn daselbst die starken Winde. Wohl geht es jeder Mutter Kinde, Warum nur mir so übel noch? Nan Schan der Berg ist hoch und weit, Daselbst die freyen Lüfte wallen. Luft ward zu Theil den andern allen, Warum nur mir die Traurigkeit?
Der Elternlose Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 334f.
Hoch wuchs sie auf, die Stabwurz da, – Nicht Stabwurz, Rainsarn sollt' es sein. Ach, ach, mein Vater, meine Mutter! Ihr zogt mich auf mit Müh' und Pein. Hoch wuchs sie auf die Stabwurz da – Nicht Stabwurz, 's ist nur Zitwergrün. Ach, ach, mein Vater, meine Mutter! Ihr zogt mich auf mit Noth und Müh'n. Des Trinkgeschirres Leere, ach, Sie ist ja nur der Flasche Schmach. Zu leben als Verwaister – O besser, wenn man längst dem Tod erlag! Wer vaterlos, wem soll er trau'n? Wer mutterlos, wem fragt er nach? Aus geht er, und er drückt ihn schwer, Kehrt heim, und Keinen findet er. O Vater, und du zeugtest mich, O Mutter, und du säugtest mich; Ihr streicheltet, ihr nährtet mich, Erzoget mich, belehrtet mich, Umwachtet mich, umwehrtet mich, Trugt, wenn ihr gingt und kehrtet mich! O könnt' ich euch die Güte danken, Den hohen Himmel ohne Schranken! Schroff ragt des Südgebirgs Gestein, Und grimmig braust der Wind darein. Im Volk ist keiner unbeglückt; Warum bin elend ich allein? Rauh starrt das Südgebirg daher, Es braust der Wind und wüthet sehr. Im Volk ist keiner unbeglückt, Nur ich allein vermag nichts mehr.