有所思 "誰言生離久"
Xiao Yan 蕭衍 (464–549)
誰言生離久。適意與君別。
衣上芳猶在。握裏書未滅。
腰中雙綺帶。夢為同心結。
常恐所思露。瑤華未忍折。
Frauenbrief Hans Böhm (1876–1946)
— in: Böhm, Hans. Lieder aus China. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Mit siebzehn Zeichnungen von Rudolf Grossmann. München: Verlagsbuchhandlung Georg D. W. Callwey, 1929. p. 19.
Wer sagt, dies sei ein Wunsch von mir –
Die Trennung, dieses Leben fern von dir?
Es duftet mein Gewand
Noch vom Lavendel, deinem lieben.
Es hält noch meine Hand
Den Brief, den du geschrieben.
Um meinen Leib trag eine Schärpe
Ich doppelt gewunden –
Ich träum, die hat mit einer Herzensschleife
Uns beide gebunden.
Wußtest du nicht, daß man verbirgt sein Lieben
Wie eine Blüte, allzu hold,
Als daß sie einer pflücken sollt?
Stilles Gedenken Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Blüthen chinesischer Dichtung. Magdeburg: Commissionsverlag: Faber'sche Buchdruckerei, A. & R. Faber, 1899. p. 55.
Warum nur glaubet man,
Es sei nach meinem Sinn,
Dass ich von meinem Schatz
So lang geschieden bin?
Es haftet sein Parfum
Noch jetzt mir am Gewand;
Noch halt ich seinen Brief,
Noch ist er nicht verbrannt.
Vom doppelfäd'gen Gurt,
Der meinen Leib umschliesst,
Träum' ich, dass unser Herz
Zugleich umschlungen ist.
Mein innerstes Gefühl
Ich nicht zur Schau gern trag';
Wie eine schöne Blum'
Die man nicht knicken mag.