代蘇屬國婦詩
Xiao Yan 蕭衍 (464–549)
良人與我期。不謂當過時。
秋風忽送節。白露凝前基。
愴愴獨涼枕。搔搔孤月帷。
忽臺作或。聽西北雁。
似從寒海湄。果啣萬里書。
中有生離辭。惟言長別矣。
不復道相思。胡羊久剽奪。
漢節故支持。帛上看未終。
臉下淚如絲。空懷之死誓。
遠勞同穴詩。
Su-wu's Gattin Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Blüthen chinesischer Dichtung. Magdeburg: Commissionsverlag: Faber'sche Buchdruckerei, A. & R. Faber, 1899. p. 53f.
Mein Mann hat eine Zeit bestimmt,
Wo wir uns wiedersähen,
Doch hat er diesen Zeitpunkt längst
Lassen vorübergehen.
Die Sonnenwende naht bereits
Vom Herbstwind eingeführet,
Und auf den Treppenstufen schon
Der Rauhfrost weiss gefrieret.
Auf meinem kalten Kissen ruh'
Ich einsam und verlassen,
Und schaue durch den Bettvorhang
Den öden Mond, den blassen.
Da hör' ich vom Nordwesten her
Die wilden Gänse ziehen,
Ich glaube, dass vom kalten Meer
Sie jetzt landeinwärts fliehen.
Und sieh! in ihrem Schnabel bringt
Die eine mir ein Schreiben,
Zehntausend Li weit: drin er sagt,
Dass wir getrennt noch bleiben.
Vom Scheiden und von Trennung nur
Spricht immer er auf's Neue,
Doch leider fügt er nie hinzu,
Ob mein er denkt in Treue.
Oft stehlen wilde Räuber ihm
Die Schafe aus der Hürde;
Ihm dienet nur als Hirtenstab
Das Zeichen frü'rer Würde.
Die Seidenrolle hab' ich kaum
Gelesen bis zum Schlusse,
Da brechen Thränen schon hervor
In ungehemmtem Flusse.
Bis in den Tod bewahret ihm
Mein Herz das Treugelöbniss,
Von fern erhalt ich sein Gedicht:
"Gemeinsames Begräbnis".