君子偕老
Anonymous (Shijing)
君子偕老,副笄六珈。 委委佗佗,如山如河。 象服是宜,子之不淑,云如之何。 玼兮玼兮,其之翟也。 鬒髮如雲,不屑髢也。 玉之瑱也,象之揥也,揚且之晳也。 胡然而天也,胡然而帝也。 瑳兮瑳兮,其之展也。 蒙彼縐絺,是紲袢也。 子之清揚,揚且之顏也。 展如之人兮,邦之媛也。
Schönheitsaufwand Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 41f.
In dem Hause still und sittig Altre mit dem Mann das Weib. Aber was ist dein Beginnen, Daß du thürmst den Lockenhügel Unter'm Schmuck des Goldblechs auf? Reichlich glänzen diese Perlen Sechsfach köstlich dir im Ohr. Du erhebst dich gleich dem Berge, Du bist munter gleich dem Wallen Eines Stroms in seinem Lauf. An den Schläfen rundgewölbet Sprangst du, o du schönes Weib! Die umbuschten Augenbrauen Ohne Täuschung sind zu schauen Wie am Berg der dunkle Wald. Warum zu dem reichen Haare Fügst du falsche Locken noch? Nie bedürfen diese Wange Schminke, da sie selber sprangen Schön verschmolzen weiß und roth. Schienen unsrer Schwester Augen Uns wie Sonn' und Fackelglanz; Warum trägt sie denn die Schleier, Geht sie zur Verstorbnen-Feier, Oder nur hinaus aufs Land? Aufzuwarten wohl dem Kaiser, Bist so selten du geputzt? Doch der schillernd schwanke Schimmer Läßt des Kleides Farbe nimmer Glanz erscheinen wie sie ist.
Zweideutige Schönheit Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 63-65.
Still in ihres Hauses Mitte Soll ein Weib in Zucht und Sitte Mit dem Gatten altern fein. Aber was ist dir im Sinne, Daß du thürmst die Lockenzinne Unter goldner Belche Schein? Diese Perlen, die mit Prangen Sechs von jedem Ohre hangen, Glänzen an dir überreich. Deine Hoheit thut's der Hoheit Des Gebirges, deine Froheit Ueppiger Stromes Wallung gleich. Deine vollgewölbten Schläfe Treten rund hervor; wo träfe Man ein Weib wie du so schön? Deiner Augenbrau'n Umbuschung, Unbedürftig schwarzer Tuschung, Schattet wie ein Wald auf Höhn. Diese Wolke dunkler Haare Hat nicht – o den Aufwand spare! – Hat nicht falscher Locken noth. Diesen Wangen nie vonnöthen Sind der Schminke Weiß – und Röthen, Denn sie selbst sind weiß und roth. Unser Schwester Augen leuchte, Daß sie uns wie Sonnen deuchten Oder Fackeln hell im Brand. Geht sie wol zur Ahnenfener, Daß sie trägt so prächtige Schlener, Oder geht sie nur aufs Land? Du im Putze seltner Arten, Ei, dem Kaiser aufzuwarten, Trägst du wol so bunten Last? Doch der Schiller dieser Seide Macht die Farb' an deinem Kleide Ungewiß und rathselhaft.
Weibliche Üppigkeit Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 118.
Die bei dem hohen Gatten altert, Sechs Nadeln nur als Schmuck im Haar, Die tritt gar schön und stattlich dar; Dem Berg, dem Strome gleicht sie gar; Ihr Staatskleid stets geziemend war. Doch an dem unehrbaren Weibe, Was nimmt man wol an dieser wahr? Wie strahlend, oh, wie strahlend, oh, Ist ihres Festgewandes Schein! Die schwarzen Haare sind wie Wolken, Die Locken unächt obendrein; Von Edelstein die Ohrgebimmel, Die Kämme nur von Elfenbein, Und oh die hohe Stirne, wie so weiß und fein! Ach, ja, sie muß wol völlig gleich dem Himmel, Muß völlig gleich dem höchsten Herren sein! Wie prächtig, oh, wie prächtig, oh, Ist die in ihren Hofgewändern! Da hüllen Gaz' und Flor sie sein, Die aufgebunden sind mit Bändern. Die Augenränder strahlen ihr – O welche Pracht an ihren Augenrändern! Ha, offenbarlich ist ein Weib wie die Die Allerschönst' in allen Ländern!