在郡臥病呈沈尚書詩
Xie Tiao 謝朓 (464–499)
淮揚股肱守。高臥猶在茲。
況復南山曲。何異幽棲時。
連陰盛農節。籉笠聚東菑。
高閣常晝掩。荒堦少諍辭。
珍簟清夏室。輕扇動涼颸。
嘉魴聊可薦。綠蟻方獨持。
夏李沈朱實。秋藕折輕絲。
良辰竟何許。夙昔夢佳期。
坐嘯徒可積。為邦歲已朞。
弦歌終莫取。撫機令自嗤。
Ich liege im Yamen von Hsüan-ch'eng krank danieder und sende ehrerbietig dieses Gedicht dem Minister Shen Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 440f.
Einst gab es den tüchtigen Helfer des Kaisers, den Präfekten (Chi An; BD No. 286), der sorglos ruhend seinen Distrikt Huai-yang verwaltete; (obwohl ich ihm nicht zu vergleichen bin) liege auch ich müssig da hier (in Hsüan-ch'eng).
Überdies liegt dieser Ort in einer Mulde des Süd-Gebirges; wie könnte da mein Leben verschieden von dem eines Einsiedlers sein?
Zur Zeit steter Bewölkung erheischt die Landwirtschaft viel Arbeit; da sammeln sich [die Bauern] mit ihren grossen Strohhüten auf den östlichen Feldern.
Meine hochgelegene Studierkammer ist bei Tage stets geschlossen; auf den grasbewachsenen Stufen meiner Treppe finden sich nur selten streitende Parteien.
Eine herrliche Matte macht den Aufenthalt im Hause zur Sommerzeit angenehm frisch; ein leichter Fächer bringt durch seine Bewegung kühle Luft heran.
Hier gibt es schöne Karpfen, die als Speise trefflich munden; dazu trinke ich in meiner Einsamkeit moussierenden Wein.
Im Sommer tauche ich rote Pflaumen in kaltes Wasser; im Herbste breche ich die feinen Wurzeln der Lotusse.
Wo dürfen wir uns endlich wiedersehen? Wie viele Nächte habe ich von einer Begegnung mit Dir geträumt!
Meine tägliche Tätigkeit hier beschränkt sich auf Sitzen und Pfeifen; es ist nun ein volles Jahr, dass ich diesen Bezirk so verwalte.
Ich kann aber nicht von mir sagen, dass ich das Beispiel (des Tzu-yu; Legge I 189, 319) befolge, der mit Musik und Gesang das Volk in Ruhe hielt; ich streife (während meines Krankseins) nur über mein Kopfpolster (nicht über die Saiten der Laute) und dies lässt mich über mich selbst lachen.