節南山
Anonymous (Shijing)
節彼南山 ,維石巖巖。 赫赫師尹,民具爾瞻。 憂心如惔,不敢戲談。 國既卒斬,何用不監。 節彼南山,有實其猗。 赫赫師尹,不平謂何。 天方薦瘥,喪亂弘多。 民言無嘉,憯莫懲嗟。 尹氏大師,維周之氏。 秉國之均,四方是維。 天子是毗,俾民不迷。 不弔昊天,不宜空我師。 弗躬弗親,庶民弗信。 弗問弗仕,勿罔君子。 式夷式已,無小人殆。 瑣瑣姻亞,則無膴仕。 昊天不傭,降此鞠訩。 昊天不惠,降此大戾。 君子如屆,俾民心闋。 君子如夷,惡怒是違。 不弔昊天,亂靡有定。 式月斯生,俾民不寧。 憂心如酲,誰秉國成。 不自為政,卒勞百姓。 駕彼四牡,四牡項領。 我瞻四方,蹙蹙靡所騁。 方茂爾惡,相爾矛矣。 既夷既懌,如相醻矣。 昊天不平,我王不寧。 不懲其心,覆怨其正。 家父作誦,以究王訩。 式訛爾心,以畜萬邦。
Harte Rüge Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 143.
Nan Schan, der Berg, strebt dunkel hoch empor, Und um ihn schroffe Felsen ragen. Schi-In, du Mann, es können ohne Zagen Die Völker dich nicht sehn, triffst du hervor, Und keiner will den Blick zu heben wagen, So schrecklich kommst du allen vor. Nicht einer wagt's, ein heit'res Wort zu sprechen, Und doch willst du des Reichs Unbill nicht rächen. Nan Schan, der Berg, gewaltig sich erhebt, Und sein Gebüsch ist nimmer zu durchdringen. Schi-In, du Mann, nach dem das Auge strebt, Warum so groß, ohn' uns das Recht zu bringen? Vor Himmelsstrafen unser Herz erbebt, Austilgend willst du die Geschlechter zwingen. Das Volk bei leisem Murren duldend schweigt, Du siehst's und bist zu retten nicht geneigt.
Klagelied Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 144.
Schöne Ross' ich an den Wagen schirre, Fahr' und seh' mich um in aller Welt; Nur gewahr' ich Klagen und Gewirre, Keinen Ort, um auszuruhn, bestellt. Nun seid ihr zum Schlimmsten wohl gerathen, Da ihr drangt mit Waffen auf euch ein; Ruht ein wenig ihr von Kriegesthaten, Kurzweil treibt ihr dann und trinket Wein. Ist der Himmel uns denn gar verschlossen? Ohne Reu' den König Schuld bedrückt; Sagt man's ihm, dann ist er arg verdrossen Und mit Groll auf die Getreuen blickt. Trübem Himmel bebt die Erd' in Zagen, Herrschers düstrer Sinn betrübt das Reich. Ich Kia-Fu sang dieses Lied der Klagen; Hilf, wenn du die Kraft auch hast zugleich!
Anklage Friedrich Rückert (1788–1866)
Hoch hebt der Berg Nan Schan die Augenbrauen, Und schroffe Felsen ragen um ihn her. Schi-In, du Mann, auf den die Völker schauen, Wie furchtbar bist du uns von Ansehn hehr! Dich anzuschaun empfinden wir ein Grauen, Und alle Blicke sinken kummerschwer. Vor Furcht wagt Niemand einen Scherz zu reden; Du aber schlichtest nicht des Reiches Fehden. Der Berg Nan Schan hat hoch die Brau'n erhoben, Und undurchdringlich ist sein Strauchgeflecht. Schi-In, du Mann, zu dem wir schaun nach oben, So groß, warum bist du so ungerecht? Der Himmel läßt uns Straf' um Straf' erproben, Und hingetilgt Geschlecht wird um Geschlecht. Dumpf schweigt das Volk und gährt in innern Feuern; Doch du siehst zu, und willst der Noth nicht steuern.
Klage Friedrich Rückert (1788–1866)
Hochgenackte Rosse spann' ich vor den Wagen, Fahr', und blicke rings an jeden Ort der Erde; Ueberall erblickt ich Ungemach und Klagen, Keinen Ort um auszuspannen meine Pferde. Eure Argheit hat den Gipfel nun erstiegen, Wo ihr selbst die Schwerter auf einander lenket. Und wann einen Augenblick die Waffen schwiegen, Seid ihr guter Ding' und Wein einander schenket. Hat der Himmel seinen Hochsinn selbst vergessen? Unsern König quälet Schuld ohn' ihn zu reuen; Und wo du ihn mahnest, so verdrießt ihn dessen, Und im Herzen trägt er Groll auf seine Treuen. Wenn der Himmel trüb' ist, wird die Erde schaurig, Und verstörter Herrschersinn verstört die Lande. Ich Kia-Fu gesungen habe dieses traurig; Hilf du, wenn zu helfen du dich fühlst im Stande!
Klage über den Reichskanzler Jin Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 306-308.
Steil blickt das Südgebirg in's Land Mit hochgethürmter Felsenwand. Auf dich, gewalt'ger Kanzler Jin, Ist alles Volkes Blick gewandt; Sein banges Herz ist wie im Brand, Und jedes Scherzgespräch verbannt. Das Reich steht an des Abgrunds Rand; Warum wird das nicht anerkannt? Steil blickt das Südgebirg in's Land, Und was er trägt, grünt reich am Licht. Gewaltiger Reichskanzler Jin, Warum thust du nicht deine Pflicht? Stets wächst des Himmels Strafgericht, Aufruhr und Sterben häuft sich dicht; Und was des Volkes Unmuth spricht, Dich bessert's nicht und schmerzt dich nicht. Zum Kanzler ist der Jin bestellt, Daß Tscheu er festigt in der Welt, Daß er das Reich im Gleichgewicht Und alles Land beisammen hält, Daß er, dem Himmelssohn gefellt, Des Volks Verirrung niederhält. O unbarmherz'ger hoher Himmel, Ist's Recht, daß er uns alle gar zerschellt? Nichts, nichts wird von ihm selbst verricht't, Drum traut das ganze Volk ihm nicht. Nichts prüft er, will nach Keinem seh'n, Um hohen Herrn nicht obzusteh'n, Rechtschaffne zwingt er, abzugeh'n; Gefahr ist nicht bei Niedrigen; Drum seine niedern Schwägerschaften Auch nicht in hohen Ämtern steh'n. Der hohe Himmel ist verkehrt, Der solch Verderbniß uns beschert; Der hohe Himmel ist nicht hold, Der solch groß Unheil senden wollt'. Wär' Zutritt Edleren gezollt, Des Volkes Herz wol ruhen sollt'; Wenn Edlere zum Rechten säh'n, Sollt' Haß und Ingrimm wol vergeh'n. O unbarmherz'ger hoher Himmel, Nichts hält ja die Verwirrung ein, Mit jedem Mond bricht sie herein Und will dem Volk nicht Ruh verleih'n. Von Herzweh tauml' ich wie von Wein. Wer soll des Reiches Ordner sein? Greift der nicht selbst regierend ein, Hat's Volk zuletzt nur Noth und Pein. – Vier Hengste hatt' ich vorgespannt, Hochhalsige hatt' ich genommen. Ich sah mir all' die Länder an, Und nirgends war vor Drangsal durchzukommen. Jetzt wuchert eure Bosheit auf Und eure Spieße seh' ich blinken; Dann seid ihr friedlich, dann vergnügt, Als gält's einander zuzutrinken. Der hohe Himmel ist verkehrt, Und unserm König Ruh verwehrt. Doch ändert Jener nicht sein Herz, Und haßt den, der ihn Bess'rung lehrt. Kia-fu hat dieses Lied gemacht, Zu rügen Königs Unbedacht; – Ob du doch wandeltest dein Herz Und nähmst der Lande Wol in Acht.