於南山往北山經湖中瞻眺詩
Xie Lingyun 謝靈運 (385–433)
朝旦發陽崖。景落憩陰峯。
舍舟眺迴渚。停策倚茂松。
側逕既窈窕。環洲亦玲瓏。
俛視喬木杪。仰聆大壑淙。
石橫水分流。林密蹊絕蹤。
解作竟何感。升長皆丰容。
初篁苞綠籜。新蒲含紫茸。
海鷗戲春岸。天鷄弄和風。
撫化心無厭。覽物眷彌重。
不惜去人遠。但恨莫與同。
孤遊非情歎。賞廢理誰通。
Was ich sah, als ich vom Südberg über den See nach dem Nordberg wanderte Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 342f.
Am frühen Morgen bin ich vom südlichen Berg aufgebrochen; bei Sonnenuntergang will ich auf der nördlichen Spitze ausruhen.
Ich sehe das verlassene Boot am fernen Ufer; ich bleibe stehen und lehne mich an eine üppige Fichte.
Während der enge Weg tief durch den Wald führt; leuchten die Inseln des Sees zwischen den Bäumen auf.
Unter mir sehe ich die Spitzen hoher Bäume; über mir höre ich das Brausen des Wasserfalls in der grossen Schlucht.
Über querliegende Felsblöcke fliesst das sich verteilende Wasser; im dichten Wald zeigt der Pfad keine menschlichen Fusstapfen mehr.
Was ist schliesslich die Folge, dass sich [Himmel und Erde aus der Wintersnot] befreien und [Donner und Regen] in Erscheinung treten? Überall zeigt sich üppig spriessende Vegetation.
Die jungen Bambusse sind reich an grünen Blattscheiden; der junge Schilf trägt violette Knospen.
Die Möven des Meeres spielen am lenzlichen Ufer; das Waldhuhn ergötzt sich im milden Wind.
Mein Herz wird niemals müde, die Veränderungen der Natur zu studieren; je länger ich sie betrachte, desto mehr liebe ich sie.
Ich beklage nicht, dass ich fern von den (gewöhnlichen) Menschen bin, wohl aber, dass kein Freund an meiner Seite ist.
Auf dieser einsamen Wanderung seufze ich nicht, weil etwa mein Naturgenuss nicht befriedigt wäre; mir fehlt nur der kongeniale Freund, der mich und meine Liebe zur Natur verstünde; doch wer könnte diesen geheimen Zusammenhang verstehen?