廬陵王墓下作詩
Xie Lingyun 謝靈運 (385–433)
曉月發雲陽。落日次朱方。 含悽泛廣川。灑淚眺連岡。 眷言懷君子。沈痛切中腸。 道消結憤懣。運開申悲涼。 神期恆若存。德音初不忘。 徂謝易永久。松柏森已行。 延州協心許。楚老惜蘭芳。 解劍竟何及。撫墳徒自傷。 平生疑若人。通蔽互相妨。 理感心情慟。定非識所將。 脆促良可哀。夭枉特兼常。 一隨往化滅。安用空名揚。 舉聲泣已瀝。長歎不成章。
Am Grabe des [Liu I-chen] Prinzen von Lu-ling Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 369f.
Während frühmorgens noch der Mond schien, brach ich von Yün-yang (bei Chenkiang, Kiangsu) auf; als die Sonne unterging, kam ich nach Tan-t'u. Voll Kummer fuhr ich über den breiten Strom; zu Tränen gerührt blickte ich nach den Hügeln (wo die Prinzen begraben liegen). Wehmütig erinnerte ich mich des Prinzen von Lu-ling; schwerer Kummer erfüllte mein Inneres. [Als Kaiser Shao-ti] eine schlechte Regierung führte (und der Prinz von Lu-ling ermordet wurde), sammelte sich in mir Unbefriedigung und Groll; erst als [Kaiser Wen-ti der Dynastie] neues Leben einflösste, durfte ich meinen Schmerz zum Ausdruck bringen. Der wunderbaren Freundschaft des Prinzen werde ich stets eingedenk bleiben; seine herrlichen Ratschläge können von mir niemals vergessen werden. Seit seinem Tode ist schon eine geraume Zeit schnell vorübergegangen; die Zypressen an seinem Grabe bilden schon eine hohe Allee. Yen-ling Chi-tzu hat schon vor dem Tode des Herrschers von Hsü sein wertvolles Schwert diesem geweiht; der alte Mann aus Ch'u liebte die Jugend und Tüchtigkeit des frühverstorbenen Kung Sheng (BD No. 1027). [Der Erstgenannte] hing jenes Schwert an einen Baum [beim Grabe des Herrschers von Hsü], obwohl es schon zu spät war; [jener Greis] der am Grabe [des Kung Sheng] bitterlich weinte, betrübte sich umsonst. Früher in meiner Jugend habe ich jenen beiden Männern stets vorgeworfen, dass sie trotz ihres hohen Rufes gerade hierin töricht gehandelt hätten. Jetzt erst verstehe ich, dass infolge des grossen Schmerzes ihre Gefühle naturgemäsz aufs tiefste erregt waren; sicherlich konnte unter diesen Umständen die Vernunft ihr Vorgehen nicht beeinflussen. Dass der Prinz von Lu-ling in jungen Jahren dahingerafft wurde, ist wirklich sehr zu beklagen; doch ist ein früher Tod auch etwas ganz Gewöhnliches. Wenn die Menschen schon einmal sterben müssen, [wozu noch alt werden] um leeren Ruhm zu erwerben? Ich erhebe gerade meine Stimme (um seinen Tod zu beklagen), da fallen schon meine Tränen; tief aufseufzend kann ich dieses Gedicht nicht vollenden.