桓妒妻
Mei Yaochen 梅堯臣 (1002–1060)
昔聞桓司馬,娶妾貌甚都。 其妻南郡主,悍妒誰與俱。 持刀擁群婢,逕往將必屠。 妾時在窗前,解鬟臨鏡梳。 鬒髮雲垂地,瑩姿冰照壺。 妾初見主來,綰髻下庭隅。 斂手語出處,國破家已殂。 無心來至此,豈願奉君娛。 今日苟見殺,雖死生不殊。 主乃擲刃前,抱持一長吁。 曰我見猶憐,何況是老奴。 盛怒反為喜,哀矜非始圖。 嫉忌尚服美,傷哉今亦無。
Die Eifersüchtige Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Dichtungen der Tang- und Sung-Zeit, Veröffentlichungen des Seminars für Sprache und Kultur Chinas an der Hamburgischen Universität. Hamburg: Friederichsen, de Gruyter & Co., 1929. p. 107f.
— in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 87.
Von Huan, dem Minister, sagt man, Daß er in alter Zeit Als zweite Frau genommen Eine wunderschöne Maid. Er hatte als erste Gattin Gewählt die Prinzessin Nan. Von Eifersucht sie entbrannte, Wie nur eine Frau es kann. Sie griff nach einem Messer, Rief ihre Frauen schnell Und wollte die Rivalin Erstechen auf der Stell'. Bei ihrer Toilette Die grade am Fenster war Und kämmte vor dem Spiegel Ihr aufgelöstes Haar. Ihr Haar, das in vollen Strähnen Wie Wellen zu Boden wallt, Indes in blinkender Vase Sich spiegelt die schöne Gestalt. Und als das Nahen der Herrin Bemerkt sie hatte kaum, Da raffte ihr Haar sie zusammen Und floh in den unteren Raum. Die Hände gefaltet, nannte Den Ort sie, woher sie kam, Als ihr Reich zugrunde gegangen, Vernichtet ihr ganzer Stamm. Daß sie hierher gekommen, Sei nicht ihr eig'ner Entschluß. Nie hätte gewünscht sie zu dienen Dem fremden Herrn zum Genuß. Und sollt' sie am heutigen Tage Empfangen den Todesstreich, Das Leben und das Sterben, Es sei ihr beides gleich. Da warf die Eifersüchtige Die Klinge vor sich hin, Umarmte mit tiefem Seufzer Die Nebenbuhlerin, Und sprach zu ihr: „Deinem Anblick Zu trotzen vermag ich nicht. Was mußte da erst empfinden Der alte Bösewicht!" So wuchs aus grimmen Zorne Die reinste Freude hervor, Und inniges Mitleid erfüllte Ihr Herz wie nie zuvor. Die Eifersucht war verschwunden, Besiegt durch die Schönheit hehr, Und ihre früheren Schmerzen Quälten sie jetzt nicht mehr.